Hinreise und Ankunft am Freitag/Samstag, den 18. und 19.09.1987
Pünktlich um 20.00 Uhr fuhr unser Bus vom Todtnauberger Kurhaus in Richtung Spanien ab. Hinter uns lagen 9 Monate intensiver Vorbereitung. Auf diese Fahrt und auf die Auftritte in Logroño hatten wir uns von Anfang an sehr gefreut, vergessen waren kleine Rückschläge bei der Vorbereitung der Reise. Spätestens nach der französischen Grenze war die Spannung merklich gelockert, die lange Nacht und überhaupt die ganze Fahrt im bequemen Bus hat die ganze Gruppe mit der bewährten Kameradschaft überstanden.
Bei der zweiten Pause in Lyon konnten wir feststellen, dass nicht nur unser Bus in Richtung Spanien fuhr, sondern dutzende von Busunternehmen, die tausende von Urlaubern an die spanische Küste brachten. Wir aber sollten fünf Tage (und Nächte) lang ein ganz anderes Spanien, das typische Spanien, erleben. Gegen 8.00 Uhr morgens erreichten wir bei La Junquera die spanische Grenze. Cataluña empfing uns mit viel Sonne – die Landschaft der Provinz Gerona, wenn auch noch grün, zeigte uns schon, dass wir uns in einem südlichen Land befanden.
Nach dem schönen, gemeinsamen Frühstück in einer guten Autobahnraststätte in der Provinz Barcelona, verließen wir die Nord-Süd-Autobahn und fuhren in Richtung Westspanien. Nach dieser Abzweigung fuhren wir durch die Provinz Lérida. Die Landschaft wurde hier immer karger, lediglich große Oliven- und Mandelbaumplantagen zeigten noch einen Hauch von grün. Wir verließen Cataluña vor Zafra und fuhren durch das ganze Aragon und erlebten eine der beeindruckendsten Gegenden Spaniens, eine trockene, unbewohnte Wüstenlandschaft mit bizarren Lehmbergen. Auf der gut ausgebauten Autobahn lagen zum Teil bis zu 45 km Wegstrecke zwischen den einzelnen Ausfahrten. Nach Zaragoza erreichten wir bald das südliche Baskenland und danach „unsere“ Provinz „La Rioja“.
Glücklich, sehr beeindruckt und müde von der Fahrt kamen wir etwa um 17.00 Uhr in Logroño an. Bei der Firma Zahoransky wurden wir schon von unserem ausgezeichneten Betreuer, Herrn Vicente Menchaca, und seiner Frau erwartet. (Da Herr Menchaca deutsch spricht und Angestellter bei der Stadt ist, hat ihn der Kulturausschuss des San-Mateo-Festes unserem Musikverein als offiziellen Betreuer zur Verfügung gestellt, glücklicherweise, wie wir erst später feststellen konnten.) Zuerst erhielt jeder ein kleines Andenken der Stadt Logroño mit einem Stadtplan und dem Programm des San-Mateo-Festes als Willkommensgruß. Das Programm für die Trachtenkapelle Todtnauberg e.V. wurde dem Vorstand ausgehändigt. Danach fuhren wir zu unserem Quartier, einer Schule mit Internat der Universität Logroño. Da die Studenten Ferien hatten, stand uns das ganze Haus zur Verfügung. Es handelte sich um einfache 6-Bett-Zimmer mit einer kleinen Dusche und WC und 6 Waschbecken. Es war aber alles sauber und geräumig. Die Küche war extra für uns zu den Mahlzeiten geöffnet und ein Pförtner sorgte für den Nachtdienst. Bei der Verteilung der Zimmer lief zunächst nicht alles reibungslos, weil die Organisatoren nicht mit Ehepaaren gerechnet hatten, aber nach wenigen Minuten konnten wir über die Improvisationskunst der Spanier staunen, so dass jeder sein entsprechendes Zimmer bekam.
Nach einer kurzen Erholungspause waren wir um 19.30 Uhr in Tracht zum Gang zum Rathaus bereit, wo der OB der Stadt Logroño für die Trachtengruppen einen Empfang vorbereitet hatte. Auf dem Weg zum Rathaus erlebten wir die ersten Stimmungseindrücke des San-Mateo-Festes. Der Stierkampf war beendet und die Zünfte zogen tanzend und mit rassiger Musikbegleitung durch die überfüllten Straßen. Davon angeheizt stieg unsere Neugier und Stimmung von Minute zu Minute und als wir am Rathaus ankamen, waren wir sehr von der Schönheit der regionalen Trachten Spaniens beeindruckt. Es waren Gruppen von den kanarischen Inseln, aus Andalusien, Galizien, usw.. Unsere Tracht (Frauen und Männer) kam unter anderen Teilnehmern sehr gut zur Geltung, obwohl wir leider aus klimatischen Gründen die Jacke weder hier noch später anziehen konnten. Der stellvertretende OB fing mit der Begrüßung der Gruppen an (der OB war zwischen Stierkampf und Fußball – FC Logroño war erstmalig in der 1. spanischen Liga – stecken geblieben). Für jede Gruppe gab es eine Erinnerungstafel, wir überreichten der Stadt Logroño unsere Trachtenpuppe, die mit großer Freude in Empfang genommen wurde. Danach am langen Büffet, probierten wir einige Spezialitäten bei kühlem Apfelsekt, bis wir zum Rathaus hinunter kamen, um den Auftritt einiger spanischer Tanz- und Folkloregruppen zu erleben.
Gegen 22.00 Uhr gingen wir geschlossen zu Fuß durch den Markt ins Quartier zum Essen. Nach 23.00 Uhr keine Spur von Müdigkeit, daher stürmten wir in der Nähe die Bierlokale bis spät in die Nacht, davon wird aber in dieser Chronik noch die Rede sein.